Umweltpreis Gießen 2018

Ökologische Aufwertung des Wohnumfeldes in der ehemaligen Dulles- Siedlung und Umweltbildungsprojekt für Kinder mit Hühnerhaltung

​

1) Anlage des Geländes, Nutzgarten, Terrassen und Balkone

2) Brutmöglichkeiten und Nahrung für Vögel

3) Förderung von Insekten

4) Umweltbildungsprojekte für Kinder ( u.a. Hühner)

Bewerbung für den Umweltpreis Gießen April 2018

Bei unserem Einzug (2011) in den von uns genossenschaftlich gekauften Wohnblock auf ca. 4.500 qm Grundfläche entsprachen die Grünflächen der ehemaligen amerikanischen Siedlung einer klassischen Anlage mit Parkbäumen (v.a. Ahorn), einigen Gebüschen, besonders um die Eingänge Ziergehölze, wie Schneebeere und Forsythie und v.a. weite Flächen Vielschnittrasen.

Das Ziel unserer Umgestaltungsbemühungen war es, eine reich strukturierte Anlage zu schaffen, die für Erwachsene, Kinder, Insekten (Wildbienen, Schmetterlinge, Hummeln etc.), Vögel, Fledermäuse oder Igel einen anregenden Lebensraum bietet. Voraussetzung war, dass die Kosten relativ niedrige gehalten werden, da die Umgestaltung sonst erst nach der vollständig beendeten Renovierung des Hauses hätte in Angriff genommen werden können.

Dieser hohe, möglichst naturnahe Strukturreichtum wurden erreicht durch das Anlegen von:

✓ großem Nutzgartenteil

✓ naturnahe Anlage von Terrassenhängen

✓ viele Balkone sind insektenfreundlich begrünt

✓ Bepflanzung der Außengrenze mit Sträuchern und Kräutern

✓ teilweise Benjeshecken statt Zaun an den Grundstücksgrenzen

✓ Aufschüttung von Wällen und Hängen

✓ mehrere Kompostmieten auf dem Grundstück verteilt

✓ großes Trockenbeet

✓ Totholzstämme, stehend und liegend

✓ Totholzhaufen

✓ Steine, Trockensteinmauer

✓ Wildbienenhotel (Gerüst vorhanden, wird bestückt, wenn ausreichend Nahrungspflanzen vorhanden sind)

✓ Zwei ganzjährig befüllte Wasserstellen in Gemüsegarten und auf der gegenüber liegenden Hausseite für Vögel und Insekten

Anlage des Geländes, Nutzgarten, Terrassen und Balkone

Besonders schwierig ist es auf dem schlechten Untergrund Gebüsche für dichte Vogelhecken (zum Brüten) anzusiedeln, das Wachstum ist extrem langsam. Die intensiven Bemühungen zeigen jetzt nach 7 Jahren langsam Erfolge. Der Gehölzbestand wurde durch die Anpflanzung von Obstbäumen ergänzt, darunter einige alte Hochstammarten. Der Fokus bei der Auswahl der Arten lag v.a. auf der Nutzbarkeit durch Insekten und Vögel.

Angepflanzte Gehölze für Nahrung und Brutmöglichkeiten:

Eberesche, Hasel, Weißdorn, Eibe, Holunder schwarz und rot, Ilex, Feldahorn, Hainbuchen, Kirsche-Hochstamm, Heuchelheimer Schneeapfel, Zwetschge, Traubenkirsche, Schlehdorn, Aronia, Mahonie, Zierkirsche, Zierapfel, Winterjasmin, Weigelie, Flieder, Sommerflieder, diverse Wild- und Zierrosen, Berberitzen, Buchsbäume.

Außerdem rankende Gehölze:

Brombeere, Efeu, Knöterich, div. Geißblattarten, Wilder Wein, Kletterrosen.

Trotz allem brüten bisher meistens Vögel nur unter dem Hausdach in der Wärmedämmung:

Mindestens zwei Starenpärchen, mehrere Sperlinge und im letzten Jahr zum ersten Mal auch Mauersegler. Ein sehr erfolgreicher Amselbrutplatz in einem Knöterich ging durch Rückschnitt verloren, der einer Gefährdung der Regenrinne entgegenwirkte. Brutversuche an anderen Stellen waren leider nicht erfolgreich, da die Nester von Elstern oder Katzen entdeckt wurden.

Die unteren Stockwerke des Hauses haben keine Balkone, es wurden Terrassen aufgeschüttet. So entstand in diesem Bereich eine intensive Begrünung. Hier findet sich eine Vielzahl an Gehölz-, Stauden- und Kräuterarten teilweise ergänzt mit Totholz, Steinverstecken und fast keinem offenen Boden.

Das hat zu einer hohen Attraktivität für Tiere geführt:

Igel, Spitzmäuse, manchmal Kröten, Tigerschnegel (und leider auch Mäusen).

Für Nahrungsspezialisten unter den Vögeln wie z.B. Stieglitze wurden Karde und Sonnenblume als winterliche Nahrungsquellen angebaut. Inzwischen gibt es eine Gruppe von 5 Stieglitzen auf dem Gelände. Um ausreichend Protein für die Jungenaufzucht bereitzustellen, wird jetzt nach der Empfehlung des NABU auch in der Brutsaison Vogelfutter mit tierischem Eiweiß angeboten. Und in den Benjeshecken und Kompostmieten überwinterten bereits einige Igel.

Brutmöglichkeiten und Nahrung für Vögel

Gleich im ersten Jahr wurde der große Nutzgarten angelegt, bewusst mit einem „verwilderten Aussehen“. Zwischen unregelmäßig zugeschnittenen Beeten mit unterschiedlichsten Wegen finden sich immer wieder Staudenflächen und blütenreiche Gründüngung. Im Winter bleiben die Staudenstängel zum Überwintern der Insekten und als Nahrung für Vögel (Karde, Sonnenblume) grundsätzlich stehen. Auch hier wurde bei der Auswahl der neuen Pflanzen versucht, besonders auf Insekten und Vögel einzugehen und vornehmlich alte Sorten zu verwenden. Selbstverständlich wird grundsätzlich auf den Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger verzichtet.

Die Pflanzenauswahl erfolgt auch zur Bereitstellung von Nahrung für Insekten (v.a. Hummeln und Wildbienen) über die gesamte Vegetationsperiode. Der Frühjahrsaspekt wurde besonders durch das Einbringen von verschiedensten Zwiebeln initiiert (Schneeglöckchen, Narzissen, Träubelhyazinthen, Wildtulpen) und mit weiteren Frühblühern ergänzt: Winterling, Bärlauch, Lungenkraut, Maiglöckchen, Vergißmeinnicht. Sommerblühend sind neben diversen Zierpflanzen Glockenblumen, Seifenkraut, Wiesensalbei und Königskerze. Besonders die Gewürzpflanzen im Garten bieten Bienen viel Nektar: Salbei, Rosmarin, Thymian, Melisse und Minzen. Der Herbstaspekt wird fast ausschließlich von Zierpflanzen getragen und soll noch daher noch weiter ausgebaut werden.

Förderung von Insekten

Ein zweiter Schwerpunkt bei der Gestaltung der Außenanlage war es, den Kindern des Hauses ein Gelnde anzubieten, auf dem sie nicht nur Spielen sondern auch Naturerfahrungen sammeln knnen. So legten die Kinder gemeinsam mit Erwachsenen eigene Beete an (Erdbeeren, Kruterbeete). Zweimal im Jahr nehmen wir an der „Stunde der Winter- und Gartenvgel“ teil, in der der NABU zur Zhlung innerhalb einer bestimmten Stunde beobachteten Vgel im eigenen Garten aufruft.

Weiterhin gibt bzw. gab es im Haus schon die „normalen“ Haustiere Hund, Katze, Kaninchen und Fische. Die Kinder wnschten sich aber von Beginn an Hhner. Im Jahr 2017 wurde daher das „Hhner-Projekt“ ins Leben gerufen. Es fanden sich Erwachsene, die bereit waren das Experiment mit den Kindern auszuprobieren. Als Rasse wurden Westflische Totleger von den Kindern nach intensiven Internetrecherchen vorgeschlagen und angeschafft. Bei der Rasse handelt es sich um eine im Bestand bedrohte alte Hhnerrasse, die 1994 zur „Gefhrdeten Nutztierrasse des Jahres“ erklrt worden war. Inhaltlich geht es bei unserem Projekt sehr stark darum, den Kindern ein Bewusstsein von Verantwortung fr andere Lebewesen zu vermitteln und ihre Verlsslichkeit, Teamfhigkeit und Kommunikationsfhigkeit zu strken. Dass Eier der selbstgehaltenen (vier) Hhner viel leckerer schmecken als zugekaufte Eier, ist ein weiterer motivierender Aspekt des Projektes.

Umweltbildungs-projekte für Kinder

(u.a. Hühner)